Bones

Bones – vom Entlein zum Schwan
Border Collie
Geb. 25. Juli 2010

DSC_0008Völlig überraschend zog im Sommer 2011 die kleine Borderhündin bei uns ein. Der Hilferuf kam aus Deutschland. Bones war seit knapp drei Monaten auf einer Pflegestelle, doch diese konnte sie nicht mehr behalten. Ich nahm sie via Border Homeless als Pflegehund zu mir. Bones hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon viel erlebt, zuviel für einen jungen Hund wie sie. Sie wuchs an einem Platz auf an welchem das Verständnis für die Rasse Border Collie fehlte. Die Besitzer meist überfordert reagierten falsch, weshalb Bones sehr misstrauisch zu mir kam. Bald war mir klar dass viel zu tun war bevor ich ans Vermitteln denken konnte. Und nun, kann ich sie nicht mehr weggeben. Das viele gemeinsame Arbeiten hat uns zusammengeschweisst.

DSC_0223Die Informationen über ihr früheres Leben waren dürftig und vor allem alles andere als positiv. Sie hat den Vorbesitzer gebissen, jagt alles was sich bewegt, ist hyperaktiv und steht somit dauernd unter Strom. Erst auf der Pflegestelle in Deutschland hat sie Artgenossen kennen gelernt. Erstaunlicherweise war ihr Umgang mit Hunden jederzeit sehr gut. Dies bestätigte mich in der Annahme, dass Unverständnis des Menschen Bones misstrauisch gemacht hat und deshalb ihr „Fehlverhalten“ auftrat.

DSC_0205Es war tatsächlich nicht einfach mit Bones. Ich musste wahnsinnig aufpassen, dass sie niemanden schnappen oder verbellen konnte. Auf dem Spaziergang hing sie wie ein Pferd in der Leine. Kamen Spaziergänger, Jogger, Pferde oder sonst wer entgegen, sprang sie in die Leine.

 

Das waren nicht wirkliche tolle Begegnungen und wir ernteten teilweise vorwurfsvolle Blicke. Bones war total auf mich fixiert. Ich konnte alles mit ihr machen. Auch eine DSC_0104Zurechtweisung liess sie sich nur von mir gefallen. Zuhause konnte sie mit der Zeit ein bisschen runterfahren. Vor Staubsauger und Haarföhn hatte sie Panik. Oft sah man in ihrem Gesicht Angst. Ich wollte ihr Sicherheit, Beschäftigung, Bewegung, Liebe und ein Zuhause geben. Aber auch nach fünf Monaten waren wir nicht viel weiter gekommen. Ich begann zu zweifeln. Warum nur war Bones so misstrauisch? Noch nie hatte ich einen Hund erlebt, der so nicht vertraute. Immer war sie auf der Hut. Weshalb nur waren für sie Menschen so gefährlich und uneinschätzbar?

DSC2134Ich war kurz vor dem Aufgeben. Dann gab ich mir einen Ruck und wollte nochmals alles versuchen um aus Bones einen ganz normalen Hund machen zu können. Ich begann sie zu longieren. Wahnsinn wie ihr das Spass machte. Sie war total konzentriert und reagierte auf die kleinsten Körpersignale meinerseits. Im Alltag forderte ich sie auch mehr. Sie musste immer mal wieder ins Down oder kurz auf ihren Platz. Ich zog eine Hundespezialistin bei. Sie sollte Bones anschauen. Ihr Feedback war für mich motivierend. Unter anderem sagte sie mir, dass Bones nur in wirklicher Notwehr
(wie jeder andere Hund auch) zubeissen würde. Ihre Attacken seien mehr Schein als Sein. Sie erklärte mir Bones Verhalten damit, dass ihre Toleranzgrenze extrem nieder sei. Es hiess arbeiten, arbeiten, arbeiten…

DSC_0066Dann kam der Schnee. Da ich im tiefen Wald sicher war dass keine Radfahrer oder Jogger kam und ich Spaziergänger von weitem sah, liess ich Bones von der Leine. Sie genoss das Rennen. War immer an der Seite von Nooch. Ich übte das Downlegen und das Abrufen. Schon bald gehorchte Bones zuverlässig.

Ich merkte dass mein Borderli an der Leine gestresst war. Sobald aber die Leine weg war konnte sie völlig entspannt und überglücklich neben ihrem Schatten Nooch laufen.
Jetzt ist Bones zehn Monate bei mir. Sie hat einen Riesensprung gemacht. Läuft frei mit dem Rudel. Kommt zuverlässig zu mir und liegt ruhig neben meinen Füssen wenn andere Leute uns kreuzen. Sie toleriert Menschen um sich und ignoriert sie meistens. Immer DSC_0060öfters nimmt sie aber Kontakt zu Leuten auf und lässt sich knuddeln. Das Longieren liebt sie heiss und bei den Longierkursen darf sie den Vorführhund spielen, was sie mächtig stolz macht. Im Agility ist mir momentan das Wichtigste, dass sie ruhig und konzentriert arbeitet. Sie trainiert in einer Gruppe und gibt sich riesig Mühe. Einen Wettkampf mit ihr zu bestreiten war bis vor vier Monaten noch unvorstellbar, aber nun bin ich überzeugt, dass wir auch das erreichen werden.